Top 10 Filme über Filme

Top 10 Filme über Filme

So wie Bücher sich schon mal gerne mit Büchern beschäftigen (siehe hier unsere Top 10 Bücher über Bücher) und Menschen mit Menschen, gibt es etliche Filme, die sich voll und ganz um sich selbst drehen. Offenbar haben auch Regisseure das Bedürfnis, ihrer zum Beruf gewordenen Leidenschaft mit ihren üblichen Mitteln ein Denkmal zu setzen.

Auch wir mögen Filme über Filme, da sie so herrlich selbstreferentiell sind, oft ironisch oder einen auch einfach mal über Sinn und Unsinn eines Films nachdenen lassen. Daher stellen wir euch hier unsere Top 10 der Filme über Filme vor: Von der Ben Stiller-Komödie bis zum Klassiker des Arthaus-Kinos ist alles dabei. Welches sind eure liebsten Filme über Filme?

10. Tropic Thunder (Ben Stiller)

Ich glaub, ich bin im Film!

Action-Schauspieler Tugg Speedman hat nach einem desaströsen Ausflug ins ernste Fach nun die Hauptrolle im Vietnam-Spektakel „Tropic Thunder“ ergattert. Auch andere Stars sind mit von der Partie, so dass der unerfahrene Regisseur Damien Cockburn schnell die Kontrolle über den Film verliert. Um seine Stars wieder auf Spur zu kriegen, inszeniert er auf Anraten des Vietnam-Veterans Four Leaf einen Ausflug in den Dschungel, der am Ende die Schauspieler allein unter Beschuss von Drogen-Clans zurücklässt, während alle immer noch denken, dass sie einen Film drehen.

Warum in unseren Top 10: Klar ist das albern. Vor Das erstaunliche Leben des Walter Mitty hat Ben Stiller nun mal hauptsächlich alberne Filme gemacht. Aber allein der Moment, in dem man erkennt, dass das wirklich Tom Cruise ist, der da so herrlich selbstgefällig tanzt, lohnt den ganzen Film. Auch Robert Downey Jr. als ziemlich wahnsinniger Method Actor ist ein echter Hingucker. Und ein paar andere ganz gute Lacher gibt es ebenfalls.

Tropic Thunder (2008) von Ben Stiller, 106 Minuten.

9. The Purple Rose of Cairo (Woody Allen)

Vom Film in die Realität

Cecilias Leben ist so wenig erfüllend, dass sie sich Tag für Tag ins Kino flüchtet. Job und Ehe frustrieren sie, aber für Schauspieler Gil Shepherd hegt sie heimlich Gefühle. Dieser spielt in Cecilias Lieblingsfilm The Purple Rose of Cairo den Forscher Tom Baxter. Eines Tages steigt Baxter aus dem Film und verliebt sich in Cecilia. Was für sie ein Traum ist, ist für Schauspieler Gil Shepherd eine Katastrophe. Also reist er an, um sich selbst ein Bild von der Situation zu machen, und plötzlich sieht Cecilia sich im Konflikt, sich zwischen Original und Kunstfigur entscheiden zu müssen.

Warum in unseren Top 10: Zum einen, weil es mein liebster Film von Woody Allen ist. Zum anderen ist es einer der Filme über Filme, in denen es mehr um die Realität geht und darum, wie sehr sie sich von den Wunschvorstellungen des Films unterscheidet.

The Purple Rose of Cairo (1985) von Woody Allen, 78 Minuten.

8. Mann beißt Hund (Rémy Belvaux, André Bonzel, Benoît Poelvoorde)

Mockumentary über tödlichen Ernst

Serienmörder Ben ist eigentlich ein netter Kerl. Er hat differenzierte Ansichten, ist nett zu seiner Familie und die meiste Zeit des Tages bringt er ja nun mal keine Menschen um. Vor allem aber hat er aber das Zeug zum Star in einer Sensationsreportage. Denn ein Kamera-Team begleitet ihn und scheut sich auch nicht, ihm hin und wieder zur Hand zu gehen, denn schließlich geht’s um einen super Film.

Warum in unseren Top 10: Diese gestellte Reportage zeigt Sensationsjournalismus von seiner übelsten (und härtesten – der Film ist zu Recht frei ab 18) Seite. Vor allem wird einem beim Sehen bewusst, ohne wen sich die an Skandal und Gewalt berauschende Art von Journalismus nicht funktionieren würde: ohne den Zuschauer. Insofern fühlt man sich mitverantwortlich für das, was da auf dem Bildschirm passiert.

Mann beißt Hund – C’est arrivé près de chez vous (1992) von Rémy Belvaux, André Bonzel, Benoît Poelvoorde, 95 Minuten.

7. 7 Psychos (Martin McDonagh)

Ein Drehbuch wie aus dem Leben gegriffen

Marty hat bisher nur den Titel seines neuen Drehbuchs fertig – Seven Psychopaths – und mit einer Zeitungsanzeige will er gemeinsam mit seinem Freund Hans, von Beruf Hundeentführer, Psychopathen suchen, die als Vorbilder für Filmfiguren dienen können. Schneller als Marty lieb ist, treten jedoch waschechte, lebendige Psychopathen in sein Leben.

Warum in unseren Top 10: Nach Brügge sehen und sterben legte Regisseur Martin McDonagh einen weiteren Gangster-Film vor, bei dem jedoch – typisch für manche Filme über Filme – Realität und Vorstellung miteinander verwoben sind und teilweise nicht voneinander unterschieden werden können.

7 Psychos – Seven Psychopaths (2012) von Martin McDonagh, 110 Minuten.

6. Living in Oblivion (Tom DiCillio)

Mit wenig Budget und Zwergentraum zum eigenen Film

Nick Reeve hat nicht viel Geld, aber einen großen Traum vom Film. Leider spielt seine Crew nicht so mit wie er das will: Schauspieler Chad und Nicole wollen das Drehbuch umschreiben und der ür eine Traumsequenz engagierte Zwerg schmeißt die Sache kurzerhand hin, weil nur in Filmen Menschen von Zwergen träumen. Das Projekt scheint zum Scheitern verurteilt, als noch dazu Nicks Mutter aus einer Psychiatrie ausbricht und auf dem Set auftaucht.

Warum in unseren Top 10: Auch hier fließen wieder verschiedene Bewusstseinsebenen ineinander, man weiß manchmal eine ganze Zeit lang nicht, ob an sich jetzt im Film oder in der „Realität“ befindet. Darüber hinaus fantastisch besetzt mit Steve Buscemi und Catherine Keener.

Living in Oblivion (1995) von Tom DiCillio, 89 Minuten.

5. Ed Wood (Tim Burton)

Der Traum vom eigenen Film

Ed Wood hat weder Geld noch Talent, aber seinen Traum, einen Film zu drehen, lässt er sich nicht ausreden. Mit jeder Menge Kreativität, unglaublich schlechten Special Effects und notfalls auch dem eigenen Chiropraktiker schafft er sein Lebenswerk, den Science Fiction-Film „Plan 9 from Outer Space“.

Warum in unseren Top 10: Mit diesem Film hat Tim Burton, dessen Filme oft etwas fantastisch-traumhaftes haben, dem angeblich schlechtesten Regisseur der Filmgeschichte ein Denkmal gesetzt, in dem er vor allem auf die Kraft des Willens eingeht und Ed Woods Träume in Erfüllung gehen lässt. Die weniger schönen Punkte in Woods Lebensgeschichte werden zugunsten der Filmaussage „Du musst nur an dich selbst glauben“ ausgespart.

Ed Wood (1994) von Tim Burton, 121 Minuten.

4. Super 8 (J. J. Abrams)

Film, Freundschaft und Außerirdische

Eigentlich wollen sie nur einen Film drehen, doch dabei stoßen sie auf eine Verschwörung und Außerirdische. Als 1979 die Gruppe um Joe Lamb für Nachtaufnahmen für ihren Zombie-Krimi länger draußen bleibt, werden sie Zeuge eines Zugunglücks. Sie finden heraus, dass der Zug der US-Regierung gehörte, und entdecken auf dem Filmmaterial eine Kreatur, die aus dem Zug verschwindet. Die Stadt wird komplett evakuiert, doch die Freunde wollen auf jeden Fall herausfinden, was es mit diesem Wesen und der Zugentgleisung auf sich hat.

Warum in unseren Top 10: Super 8 ist vor allem ein wunderbarer Film über das Erwachsenwerden und über Freundschaft, und man kann sich vorstellen, dass jeder Regisseur, der schon von Kindheit an diesen Berufstraum hegte, sich in dem Film wiederfindet.

Super 8 (2011) von J. J. Abrams, 112 Minuten._

3. Shadow of the Vampire (E. Elias Merhige)

Die perfekte Besetzung

Friedrich Wilhelm Murnau plant in den 1920ern seinen Vampirfilm Nosferatu. Für die Hauptrolle verpflichtet er Max Schreck, einen etwas seltsamen Method Actor, der nur geschminkt und kostümiert herumläuft. Doch für die Authentizität des Films ist Murnau alles Recht. Was seine Crew nicht weiß: In Wahrheit ist Schreck ein echter Vampir, dem für seine Schauspieldienste das Blut der Hauptdarstellerin versprochen wurde. Allerdings kann Schreck sich schon während der Dreharbeiten nicht zurückhalten.

Warum in unseren Top 10: Die Darstellung von Max Schreck in Nosferatu ist so überzeugend, dass sie die skurrile Idee, hier sei ein echter Vampir am Werk, durchaus rechtfertigt. Shadow of the Vampire ist ein atmosphärisch toller Film über einen Regisseur, der für einen guten Film notfalls über Leichen geht.

Shadow of the Vampire (2000) von E. Elias Merhige, 91 Minuten.

2. Cinema Paradiso (Giuseppe Tornatore)

Von der Liebe zum Film

Salvatore „Toto“ Di Vita wächst in einem kleinen sizialianischen Dorf als Halbwaise auf. Im erblindeten Filmvorführer Alfredo findet Toto einen väterlichen Freund, der ihn im örtlichen Kino „Cinema Paradiso“ arbeiten lässt. Dadurch lernt Toto alles über Filme und beschließt, selbst Regisseur zu werden. Alfredo erkennt das Potenzial des Jungen und bekräftigt ihn darin, seinen Heimatort zu verlassen, um woanders bessere Chancen zu haben. Dieser Schritt ermöglicht es Toto, seinen Traum zu erfüllen und Regisseur zu werden.

Warum in unseren Top 10: Cinema Paradiso legt Zeugnis ab von der Liebe zum Film und davon, wie eine Leidenschaft ein Leben bestimmen und verändern kann. Dabei ist der Film sehr emotional, aber nie kitschig.

Cinema Paradiso (1988) von Giuseppe Tornatore, 118 Minuten._

1. Achteinhalb (Federico Fellini)

Regisseur in der Schaffenskrise

Guido Anselmi kommt nicht zurecht mit seinem neuen Film: Eigentlich hat er alles so weit vorbereitet, die Dreharbeiten könnten beginnen, doch er schafft es einfach nicht, wieder in die Arbeit zu finden. Daher zieht er sich vor dem ganzen Rummel um seine Person in einen Kurort zurück, wo ihm doch bald alle – Drehbuchautor, Journalisten, Schauspieler – hin folgen, um ihn zu belagern und unter Druck zu setzen. Einziger Ausweg für Anselmi: Die Flucht in Tagträume, in denen alles besser, manches aber noch schlechter ist.

Warum in unseren Top 10: Der Klassiker der Filme über Filme: Fellini verarbeitet in Achteinhalb seine eigene Schaffenskrise und ließ die verschiedenen Realitäts- und Filmebenen nahtlos ineinander übergehen.

Achteinhalb – 8 1/2 (1963) von Federico Fellini, 138 Minuten.

 

 

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