Top 10 Bücher über Bücher

Top 10 Bücher über Bücher

Wer gerne und viel liest, hat im Allgemeinen auch eine besondere Beziehung zu Büchern: suchen, finden, kaufen, vielleicht darüber schreiben, sortieren und vor allem und am liebsten natürlich lesen – all das hat einen festen Platz im Leben des Bücherliebhabers. Das Ganze übertreffen kann man noch mit Büchern, in denen es um Bücher (oder zumindest um ein ganz besonderes Buch) geht. Denn als bücherverrückter Leser kann man natürlich besonders mit den Hauptfiguren, die oft eine starke Bindung zu Büchern haben, mitfühlen. Und so ist es gar nicht mal so erstaunlich, wie viele Bücher sich mit Büchern befassen. Zehn davon auszuwählen war nicht einfach, aber ich habe es trotzdem geschafft. Hier also meine persönlichen Top 10 der Bücher über Bücher.

10. Die Bücherdiebin

Bücher als Andenken und Hoffnungsschimmer

Liesel Meminger ist neun Jahre alt, als ihre Mutter sie und ihren Bruder zu einer Pflegefamilie nach Molching bei München bringt, da Liesels Eltern im Deutschland des Nationalsozialismus mit Schwierigkeiten auf Grund ihrer kommunistischen Vergangenheit rechnen. Liesels Bruder überlebt die Zugfahrt nicht und während des Begräbnisses stiehlt Liesel ihr erstes Buch – ein Handbuch für Totengräber, das auf dem Friedhof im Schnee liegen geblieben ist. Liesel kann nicht lesen und hat zu diesem Zeitpunkt auch keine Vorstellung davon, was für ein Buch sie mitgenommen hat, doch für sie ist es eine Erinnerung an den Bruder. Auch später stiehlt sie immer mal wieder ein Buch, und jedes Mal geben die Bücher ihr Ausflucht aus ihrem Leben und Hoffnung auf Besserung.

„Die Bücherdiebin“ erzählt die Geschichte einer Kindheit in Deutschland zurzeit des Zweiten Weltkriegs aus einer ungewöhnlichen Perspektive, der Perspektive des Todes, der Liesel mehrfach in ihrem Leben begegnet und sie ins Herz schließt. Der australische Autor Markus Zusak gewann verschiedene Literaturpreise mit diesem Roman.

Die Bücherdiebin – The Book Thief (2005) von Markus Zusak, 588 Seiten._

9. Der Vorleser

Das Buch als verbindende Brücke

Michael ist 15, als er Hanna trifft und kurze Zeit später mit der 21 Jahre älteren Frau, die nichts über ihre Vergangenheit preisgeben will, eine Affäre anfängt. Hanna fordert von Michael immer wieder, dass er ihr vorliest, was dieser als Teil der Beziehung gerne akzeptiert. Doch die Wege der beiden trennen sich, als Michael sich mehr und mehr zu einer Gleichaltrigen hingezogen fühlt.

Jahre später sieht Michael, der Jura studiert, Hanna während eines Gerichtsprozesses wieder, in dem KZ-Wärterinnen aus Auschwitz angeklagt sind. Hanna wird unter anderem vorgeworfen, auf einem Todesmarsch jüdische Häftlinge in eine Kirche gesperrt zu haben, wo sie nach einem Bombenangriff verbrannten. Hanna wird von den Mitangeklagten als Hauptschuldige genannt und wehrt sich nicht dagegen, so dass sie schließlich eine lange Gefängnisstrafe antreten muss.

„Der Vorleser“ ist eins der erfolgreichsten deutschsprachigen Bücher, wurde in mehr als 30 Sprachen übersetzt und war ein internationaler Bestseller. Mittlerweile wurde der Roman von Stephen Daldry mit Kate Winslet und Ralph Fiennes verfilmt.

Der Vorleser (1995) von Bernhard Schlink, 208 Seiten.

8. Die Stunden

Ein besonderes Buch als Verbindung über die Generationen hinweg

An einem Tag im Juni in unterschiedlichen Jahren dreht sich das Leben dreier ganz verschiedener Frauen um das Buch Mrs Dalloway. 1923 schreibt Virginia Woolf den ersten Satz zu diesem Roman über einen Tag im Leben einer Frau, die aus den gesellschaftlichen Zwängen, die das Leben ihr bietet, am liebsten ausbrechen möchte. 26 Jahre später würde auch Laura Brown am liebsten ein anderes Leben als ihr eigenes führen, und dass sie gerade „Mrs Dalloway“ liest, ist sicher kein Zufall.

Sie versucht, sich dazu zu zwingen, in ihrer Rolle als Ehefrau und Mutter zu „funktionieren“, doch alle Bemühungen sind zum scheitern verurteilt. Ende der 1990er schließlich ist Clarissa Vaughan wie Mrs Dalloway mit der Organisation einer Party beschäftigt, mit der sie den nahenden Aids-Tod ihres besten Freundes überspielen will.

„Die Stunden“ wurde unter dem Originaltitel „The Hours“ ebenfalls von Stephen Daldry verfilmt; in den Hauptollen sind Nicole Kidman, Julianne Moore und Meryl Streep zu sehen.

Die Stunden – The Hours von Michael Cunningham (1998), 224 Seiten.

7. Wenn ein Reisender in einer Winternacht

Ein Verwirrspiel von einem Buch

Jemand – nicht einfach irgendjemand, sondern der Leser selbst, der konsequent den ganzen Roman hindurch mit „du“ direkt angesprochen wird – kauft sich in einer Buchhandlung den Roman „Wenn ein Reisender in einer Winternacht“ von Italo Calvino, beginnt erfreut zu lesen und stellt nach 16 spannenden Seiten fest, dass das Buch mittendrin abbricht und von vorne beginnt. Also geht es zurück in die Buchhandlung, wo der Leser erfährt, dass die Geschichte, die er begonnen hat, durch einen Fehler in sein Calvino-Buch geraten ist und eigentlich aus einem ganz anderen Roman stammt.

Da der Leser aber schon mal begonnen hat, möchte er nun lieber die angefangene Geschichte als den Calvino haben – genau wie die Leserin Ludmilla, die der Leser in der Buchhandlung trifft und die das selbe Problem hat wie er. Doch auch der zweite Versuch, endlich ein Buch zu Ende zu lesen, ist nicht von Erfolg gekrönt, und so geht es fort, während sich im richtigen Leben Ludmilla und der Leser näher kommen und dem Rätsel der vertauschten Bücher gemeinsam auf die Spur kommen wollen.

Wenn ein Reisender in einer Winternacht – Se una notte d’inverno un viaggiatore (1979) von Italo Calvino, 288 Seiten.

6. Nachtzug nach Lissabon

Das Buch als Einleitung eines Neuanfangs

„Wenn es so ist, dass wir nur einen kleinen Teil von dem leben können, was in uns ist – was geschieht mit dem Rest?“ Mit dieser Frage beginnt ein Buch, das der Schweizer Lehrer Raimund Gregorius in einem Antiquariat entdeckt, nachdem er eine Frau davon abgehalten hat, Selbstmord zu begehen, und er dieser nachspürt, weil er sich immer noch Sorgen um sie macht. Das Buch, „Der Goldschmied der Worte“ stammt von Amadeu de Prado, der zur Zeit der Salazar-Diktatur in Portugal als Arzt tätig war.

Gregorius, der gerade eine Scheidung hinter sich hat und dachte, mit seinen knapp 60 Jahren keine großen Veränderungen mehr vor sich zu haben, ist von dem Buch so angetan, dass er spontan in den titelgebenden Nachtzug nach Lissabon steigt, um der geheimnisvollen Frau, vor allem aber Amadeu de Prado und seiner Geschichte auf die Spur zu kommen. Dabei stellt er fest, dass es auch für ihn noch alternative Lebensentwürfe gibt.

„Nachtzug nach Lissabon“ wurde 2012 von Bille August mit Jeremy Irons, August Diehl und Martina Gedeck in den Hauptrollen verfilmt.

Nachtzug nach Lissabon (2004) von Pascal Mercier, 496 Seiten.

5. Der Name der Rose

Ein besonderes Buch als Verführung und Schicksal

1327 besucht der Novize Adson von Melk in Begleitung seines Mentors William von Baskerville eine Benediktinierabtei, in der ein wichtiges Treffen ranghoher Mitglieder der katholischen Kirche bis hin zum Papst geplant ist. Die Mönche der Abtei sind jedoch beunruhigt, da es vor wenigen Tagen zu einem mysteriösen Mordfall gekommen ist. William von Baskerville heißt nicht nur wie eine Familie aus der wahrscheinlich bekanntesten Sherlock Holmes-Geschichte, er war früher auch Inquisitor und wird deswegen gebeten, Licht in die Angelegenheit zu bringen. Doch bevor er dazu kommt, sterben weitere Mönche. Ganz offensichtlich ist hier ein Serienmörder am Werk, und William von Baskerville findet bald heraus, dass die Morde irgendwie mit einem geheimnisvollen Buch zusammenhängen.

„Der Name der Rose“ wurde 1986  sehr erfolgreich von Jean-Jacques Annaud mit Sean Connery und  Christian Slater verfilmt.

Der Name der Rose – Il nome della rosa (1982) von Umberto Eco, 688 Seiten.
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4. Fahrenheit 451

Bücher als Bedrohung der herrschenden Machtstrukturen

Guy Montag ist Feuerwehrmann in einer dystopischen Gesellschaft, in der es die Aufgabe von Feuerwehrmännern ist, Feuer zu legen statt welches zu bekämpfen. Denn Feuer braucht man, um die größte Gefahr abzuwehren, der die Gesellschaft ausgesetzt ist: Bücher. Guy Montag liebt seinen Beruf, bis das Gespräch mit einem Nachbarsmädchen, ein heruntergespielter Selbstmordversuch seiner Frau sowie ein tödlicher Vorfall bei seiner Arbeit Zweifel in ihm wecken und er selbst ein Buch entwendet, um darin zu lesen.

Damit begibt er sich nicht nur selbst in Gefahr, sondern entfremdet sich auch zusehends von seiner Frau, die bereit ist, für ihre Ruhe und die Möglichkeit, ihre geliebten Seifenopern ununterbrochen auf riesigen Videoleinwänden anzuschauen, ihren eigenen Ehemann zu verraten. Vom angesehenen Mitglied der Gesellschaft wird Guy Montag so zum Flüchtigen, der versucht, herauszufinden, was es mit einer Welt, die Bücher generell verbietet, auf sich hat.

Fahrenheit 451 (1953) von Ray Bradbury, 192 Seiten.

3. Die Blendung

Bücher als Gegenstand einer Obsession

Peter Kien, der beste Sinologe, den es auf diesem Planeten gibt, hat alles, was er braucht. In seiner 4-Zimmer-Wohnung hat er genug Platz für sich und seine 25.000 Bände umfassende Bibliothek. Er führt ein einsiedlerisches Leben zwischen all seinen Büchern, und seine Haushälterin Therese Krummholz bringt ihn schließlich allein dadurch, dass sie seine Bücher gut behandelt und regelmäßig abstaubt, dazu, sie zu heiraten.

Doch Therese hat keineswegs eine so enge Bindung zur Bibliothek Kiens wie dieser glaubt, was bereits in der Hochzeitsnacht klar wird. Therese ist an Kiens Geld und Wohnung interessiert, und nachdem sie Raum für Raum der Wohnung erobert und Kien unzugänglich macht, wirft sie ihn schließlich ganz aus seiner Wohnung. Kien, der zusehends dem Wahnsinn verfällt, gerät in die Fänge des Betrügers Fischerle, der genau wie Therese nur an Kiens nicht mehr allzu großem Vermögen interessiert ist.

„Die Blendung“ ist die erste Veröffentlichung und der einzige Roman von Nobelpreisträger Elias Canetti, von dem er sich im Alter distanzierte.

Die Blendung (1935) von Elias Canetti, 512 Seiten

2. Das Haus – House of Leaves

Ein Buch wie ein Labyrinth im Labyrinth

Johnny Truant, der in einem Tätowierstudio jobbt, findet die Aufzeichnungen des verstorbenen Schriftstellers Zampanò. Dieser war dabei, ein Buch über einen verschollenen Film zu schreiben, das sich auf wissenschaftlicher Ebene mit den im Film gezeigten Phänomenen auseinandersetzt. Der Film, „The Navidson Record“, ist ein vom Dokumentarfotografen Will Navidson festgehaltener Bericht über sein Haus, das innen größer ist als außen und das darüber hinaus auch noch zu wachsen scheint, bis sich eines Tages ein ganzes Labyrinth im Haus erstreckt, das scheinbar endlos ist.

„Das Haus – House of Leaves“ ist einerseits eine wirklich unheimliche Horrorgeschichte, andererseits auch ein vielschichtiger, verwobener postmoderner Roman, indem die Aufmachung des Buchs eine ebenso große Rolle spielt wie der Text selbst. Unterschiedliche Farben, Schrifttypen und -größen, Fußnoten, einzelne Worte auf einer Seite – all das ist nicht nur „Hingucker“, sondern hat immer auch eine Bedeutung. Sämtliche verborgenen Rätsel des Buchs alleine herauszufinden, ist nahezu unmöglich, und so gibt es etliche Internet-Seiten, die sich mit dem Labyrinth, das dieser Roman ist, beschäftigen.

Das Haus – House of Leaves (2000) von Mark Z. Danielewski, 832 Seiten.

1. Die unendliche Geschichte

Ein Buch als Tor zu einer anderen Welt

Wer könnte da widerstehen? Ein Buch, das kein Ende besitzt und seinem Leser verspricht, ihn immer weiter in seinen Bann zu ziehen? Bastian Balthasar Bux jedenfalls kann es nicht, und ich gebe zu, dass ich beim ersten Lesen von „Die unendliche Geschichte“ ein wenig neidisch auf ihn und sein Buch war. Bastian findet dieses Buch im Laden von Karl Konrad Koreander, als er sich vor einer Gruppe Gleichaltriger versteckt, die ihm aufgelauert haben.

Als Koreander nicht hinsieht, stiehlt Bastian das Buch kurzerhand, nimmt es mit auf den Dachboden seiner Schule und beginnt dort, von Phantasien und der Kindlichen Kaiserin zu lesen, deren Krankheit die Existenz ihres Reichs bedroht. Schneller als Bastian begreifen kann, was passiert, ist er selbst Teil der unendlichen Geschichte, und er muss selbst eingreifen, damit Phantasien überleben kann. Doch damit fängt das Abenteuer erst an, denn die Veränderung vom ehemals unbeliebten Außenseiter zum gefeierten Helden Phantasiens hat negative Auswirkungen auf den Jungen, die ihn weiter und weiter von seiner eigenen Welt entfernen.

Die unendliche Geschichte (1979) von Michael Ende, 475 Seiten.

 

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